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Südsee: Tonga Hauptinsel Tongatapu 3|
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| Freitag,
23.03.01/344. Weltreise-Tag: Heute soll die russische Raumstation MIR unweit von Tonga in den Südpazifik stürzen. Im kirchlichen
TV- Sender Tongas OBN beginnt der Tag mit Psalm 84, aber auch in den
7-Uhr- Nachrichten des staatlichen tonganischen Fernsehsenders hören
wir leider kein Wort über die voraussichtliche Absturzstelle. Eigentlich hatten wir mit Fred und seinem Boot “Amita” aufs Meer fahren wollen, um den Niedergang
der MIR von dort zu beobachten und selbst ein Foto zu schießen. Leider wird daraus wegen dicht wolkenverhangenem Himmel nichts. Also haben wir ein Foto (unbekannten Copyrights) und einen guten Link zur MIR aus dem Web genommen. Die Abendnachrichten um 20 Uhr bringen ebenfalls nichts über die MIR, sondern werden vom hiesigen Tagesgeschehen - dem Dinner des Königs und seiner anschließenden Abreise aus Tonga - bestimmt. Sind schon die Nachrichten
hier für Europäer ungewohnt, sind es die vom Tonganischen Fernsehen gesendeten
Spielfilme erst recht: Fluchen wird mit abruptem Tonverlust, unsittliches Verhalten
(z.B. Küssen) oder Sicht auf unzüchtige Körperteile (ziemlich alle außer dem
Gesicht) entweder
mit schwarzem Balken oder durch Einblendung von Psalmgesängen bestraft. Blutrünstige Gewaltszenen unterliegen hingegen keinerlei Zensur, wie das heutige Abendprogramm beweist: Ununterbrochen darf der einzelkämpferische Held seine über 200 Opfer ideenreich und in Großaufnahme zerstückeln. Das Bild zeigt eine typische Kußszene im tonganischen Fernsehen. Neben dieser eher freiwilligen für christlich gehaltenen Selbstbeschränkung existieren auch staatliche, also königliche Direktiven zur Medienfreiheit auf Tonga. Samstag, 24.03.01/345. Weltreise-Tag: Mia
und Fred laden uns und Paula ein, mit auf der Amita zur nahen Halbinsel
Pangaimotu zu fahren. Pangaimotus einzige Gebäude sind die
des Pangaimotu
Resorts. Es ist
wochenends
ein beliebtes Ausflugsziel. Wer kein eigenes Boot besitzt, kann für 12
T$ mit der Mo- Sa regulären Bootsverbindung (10 & 11 Uhr, zurück
gegen 16 & 17 Uhr, sonntags öfter) oder, bei extremer Ebbe, kniehoch
im Wasser watend nach Pangaimotu gelangen. Wir verbringen den Tag auf Steg und Terrasse der Urlaubsanlage, stets in Sichtweite der skurrilen Schiffswrackkulisse, deren Rumpf
sich wie eine „Titanic für Arme“ direkt vor dem Strand aus dem Wasser hebt. Auch das andere auf der Insel liegende Wrack mit der Aufschrift “African Queen” dürfte bei Cineasten einige Assoziationen an unvergessliche
Kinostunden wecken... Etlichen Besuchern von Pangaimotu ist beim Anblick des hier herumliegenden überdimensionierten gusseisernen Suppentopfes schon die Fantasie durchgegangen, indem sie sich ekstatisch um ihn herum tanzende halbnackte Wilde vorstellten, die nur darauf warten, dass der im Topf hockende Missionar gar
gekocht sein möge. Bei genauerer Analyse dieses Szenarios fallen jedoch mindestens
zwei Anachronismen auf: Erstens war hier zur fraglichen Zeit das Rad noch nicht
erfunden (geschweige denn Gusseisen) und zweitens werden größere
Garmengen
im südpazifischen Raum seit jeher im Erdofen (Umu) zubereitet. Der abgebildete
Eisenkessel ist neueren Datums und diente zur Auslassung von Walfett.
(In der Karibik benutzte man übrigens ähnliche Pötte zur Herstellung
von brauner Zuckermelasse aus Zuckerrohr.) Anas und Earls Pangaimotu– Island- Beachcomber
Resort ist Tongatapus billigstes Inselresort und seine Strandhütten
verfügen über fließend kaltes Wasser. (Preise in T$: Sgl/ Double/Dorm: 50/80/25,
Camping: 15, Boat Transfer 12 T$ ret., 7,5 % GST excl. (Stand 04) Links & Updates)Es tut uns gut, hier dem Autolärm
Tongatapus entronnen zu sein, uns am Strand unter Palmen zu räkeln und die
gemeinsame Zeit mit unseren neuen Freunden und deren kleinen Tochter Ela in
vollen Zügen zu genießen. Obwohl man hier sehr gut Schnorcheln kann, lässt
das windig- und kühle Wetter trotz 27 °C Wassertemperatur keine echte Lust
dazu
aufkommen. Mit untergehender Sonne besteigen wir Freds Boot und fahren zurück nach Tongatapu. Später folgen wir Paula in die Roots Bar & Disco ins 10km außerhalb liegende Hufangalupe. Das fast ausschließlich Tonganische Publikum hopst ausgelassen zu den Klängen von „Who let the dogs out?“ auf der Tanzfläche herum. Unwillkürlich denken wir an den großen Suppentopf von heute Nachmittag... Obwohl um Mitternacht eigentlich der tonganische Sonntag ausbricht, kehren wir erst gegen 5 Uhr nach Hause zurück. Sonntag,
25.03.01/346. Weltreise-Tag: Montag,
26.03.01/347. Weltreise-Tag: Dienstag,
27.03.01/348. Weltreise-Tag:
Bei der positiven Einstellung der Tonganer zu neuzeitlichen Errungenschaften (besonders Kinder lieben es, die bonbonartigen Tabletten zu schlucken) und der hier immensen manipulativen
Macht der Kirchenkanzel, dürfte die Sanierungsaktion tatsächlich die überwiegende
Mehrheit der Tonganischen Bevölkerung innerhalb weniger Stunden erreicht
haben und die Inzidenz von Filariasis auf Tonga auch in Zukunft minimal halten. Sicherheitshalber klappern freundliche Krankenschwestern jetzt noch mal alle Haushalte nach Einwohnern ab, die, wie wir, den sonntäglichen Tablettensegen verpasst haben. Wir erhalten jeder eine kleine Plastiktüte mit je 7 kleinen weißen runden und einer großen weißen ovalen Tablette, die sowohl gegen zirkulierende Larven als auch gegen ausgewachsene Würmer wirken. Am besten, man nehme sie alle auf einmal und nach dem Essen. Auch andere Aktionen des staatlichen Tonganischen Gesundheitswesens
(Ministry of Health) fallen uns positiv auf: Das Fernsehen zeigt aufklärende
Spots über Diabetes, Drogen und Übergewicht, Arztbesuche und Medikamente
sind im staatlichen Vaiola
Hospital
kostenlos und stationäre Aufenthalte erschwinglich. Ein guter, wenn auch offensichtlich wenig erfolgreicher Versuch gegen Tongas Bevölkerungsexplosion ist die kostenlose Abgabe von Verhütungsmitteln wie Pille und Kondome. Trotzdem haben die meisten tonganischen Eltern zwischen 5 und 7, überwiegend männliche Kinder. Tonganer sind gemeinhin äußerst großfamilienverbunden. Tanten
und Onkel, Cousinen und Cousins zählen zur engeren Familie, deren Kinder
werden wie die eigenen oder besser behandelt. Eine Kindergeburtstagsparty im engsten Familienkreis bedeutet oft die Bewirtung von über 50 Personen! Es resultiert ein Verbund aus Verantwortlichkeiten, Verpflichtungen und Abhängigkeiten, aber auch ein bis heute gut funktionierendes weit verzweigtes soziales Sicherheitsnetz. Vielleicht einer der Gründe, warum sich Südseeinsulaner wenig Gedanken um die Zukunft zu machen und ein hohes Maß an Akzeptanz zu besitzen scheinen. Faltenreiche Gesichter sind hier eher auf intensive ultraviolette Strahlung zurückzuführen als auf eine plagende Vielfalt von Ängsten, wie wir sie von unserem ehemaligen Berufsalltag in BRD her kennen.
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